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Product Snippet vs. Händlereintrag

Was Onlineshops über organische Shopping-Klicks verraten

Autor:

Domenic von Tryller

Datum:

Frontalaufnahme Domenic von Tryller

Domenic von Tryller

Strategy Lead Onlinemarketing

8 min Read

Product Snippets oder Händlereinträge?

Wir haben die Search-Console-Daten von 16 und die GA4-Daten von 22 Shops über 52 Wochen ausgewertet, und seit September 2026 sieht die eine Hälfte davon völlig anders aus als die andere.

Google zeigt Produkte in der Websuche auf zwei getrennten Wegen, als Händlereintrag und als Product Snippet. Die meisten Beiträge dazu erklären den Unterschied zwischen den beiden Markups und hören dort auf. Was in keiner Anleitung steht, ist die Frage, die in der Praxis zählt, nämlich was die beiden Darstellungen tatsächlich an Klicks bringen.

Unsere Auswertung läuft über 52 Wochen, von Kalenderwoche 42 des Jahres 2025 bis Kalenderwoche 41 des Jahres 2026, alle Werte anonymisiert und über die Shops summiert. Mittendrin liegt ein Einschnitt, der die zweite Jahreshälfte von der ersten trennt. Seit dem 8. September 2026 zeigt Google im Europäischen Wirtschaftsraum bei Produktsuchen eine Box mit Vergleichsportalen, in Kalenderwoche 38 verschwanden die kostenlosen Produkteinträge. Auslöser ist eine Entscheidung der EU-Kommission vom 23. Juli 2026, in der Google die Selbstbevorzugung eigener Dienste in der Suche untersagt wird.


Abb. 1: Vom Kartellverfahren zur neuen Ergebnisfläche. Quellen: Europäische Kommission und Google Search Central.

Was Händlereinträge von Product Snippets unterscheidet

Google unterscheidet bei Produkt-Markup zwei Fälle, und die Abgrenzung ist einfacher, als sie in Projekten behandelt wird. Händlereinträge, englisch Merchant Listings, sind für Seiten gedacht, auf denen ein Produkt direkt gekauft werden kann. Product Snippets sind für Produktseiten ohne Kaufmöglichkeit, also Testberichte, Rezensionen und Vergleichsseiten.

Entscheidend ist damit nicht, ob auf einer Seite ein Produkt gezeigt wird, sondern ob dort gekauft werden kann. Händlereinträge können zusätzlich an Stellen erscheinen, an denen Product Snippets nicht auftauchen, unter anderem im Shopping-Knowledge-Panel, in Google Bilder und in den beliebten Produkten.

Für einen Shop heißt das in der Regel, dass die Produktdetailseiten als Händlereintrag ausgezeichnet gehören und redaktionelle Inhalte wie Ratgeber oder Vergleiche als Product Snippet. In der Praxis sehen wir häufig das Gegenteil, nämlich Shops, die ihr gesamtes Markup als Product Snippet ausliefern, weil das technisch einfacher ist.



Händlereintrag

Product Snippet

Gedacht für

Produktseiten mit Kaufmöglichkeit

Produktseiten ohne Kaufmöglichkeit

Typische Seiten

Produktdetailseite im Shop

Testbericht, Rezension, Vergleichsseite

Im Markup

Preis, Verfügbarkeit, Versand, Rückgabe

Produktdaten ohne Kaufabwicklung

Zusätzliche Flächen

Shopping-Knowledge-Panel, Google Bilder, beliebte Produkte

Klassische Suchergebnisse

Anteil an den Shopping-Klicks

9,1 Prozent

90,9 Prozent

schema.org-Properties

offer, price, priceCurrency, availability, shippingDetails, hasMerchantReturnPolicy

name, image, description, brand, review, aggregateRating


Für einen Shop heißt das in der Regel, dass die Produktdetailseiten als Händlereintrag ausgezeichnet gehören und redaktionelle Inhalte wie Ratgeber oder Vergleiche als Product Snippet. In der Praxis sehen wir häufig das Gegenteil, nämlich Shops, die ihr gesamtes Markup als Product Snippet ausliefern, weil das technisch einfacher ist.

Wo du die Aufteilung überhaupt siehst

Messbar wurde die Unterscheidung 2022, als Google in der Search Console einen eigenen Bericht für Händlereinträge eingeführt und die Suchdarstellung im Leistungsbericht aufgeteilt hat. In Google Analytics 4 landen Besuche aus kostenlosen Einträgen im Standard-Kanal Organic Shopping, unter anderem über die Quellplattform Shopping Free Listings. Und im Merchant Center siehst du, ob deine Produkte überhaupt für die kostenlosen Einträge zugelassen sind oder an einer Richtlinie hängen.

Screenshot einsetzen: Merchant Center, Ansicht der kostenlosen Produkteinträge mit Freigabestatus. Anonymisiert, ohne Artikelzahlen, mit Quellenangabe und Abrufdatum.

Wie sich die Klicks tatsächlich verteilen

Über die 52 Wochen entfallen 9,1 Prozent aller Shopping-Klicks auf Händlereinträge und die übrigen 90,9 Prozent auf Product Snippets. Wer die Hälfte seiner Aufmerksamkeit auf die Händlereinträge legt, verteilt sie also nicht nach Wirkung.

Der Mittelwert ist hier allerdings die weniger interessante Zahl. Einzeln betrachtet reicht der Anteil der Händlereinträge von 0,4 bis 48,3 Prozent, und elf der sechzehn Shops liegen unter zehn Prozent. Bei dieser Streuung hilft dir kein Branchenwert, sondern nur dein eigener Ausgangswert.


Abb. 3: Verteilung der ausgewerteten Shops nach Branche. Die Zuordnung stammt von uns und ist nicht extern validiert.

In der Qualität der Platzierung liegen die Händlereinträge dagegen vorn. Sie erscheinen im Schnitt auf Position 4,1, Product Snippets auf Position 11,6, und die Klickrate liegt bei 1,6 gegenüber 1,3 Prozent. Dazu gehört eine Einschränkung, die wir nicht weglassen können, denn die Position bezieht sich auf unterschiedliche Ergebnisflächen. Position 4 in einem Produkt-Karussell ist etwas anderes als Position 4 in den klassischen Suchergebnissen. Die praktische Lesart bleibt trotzdem eindeutig, nämlich dass Händlereinträge pro Einblendung wertvoller sind, aber seltener vorkommen.

Was im September 2026 im EWR passiert ist

Seit dem 8. September zeigt Google im EWR bei Produktsuchen eine Box mit Vergleichsportalen statt der bisherigen Produkt-Karussells. Laut einer Auswertung von SISTRIX erscheint sie ausschließlich im EWR, also nicht in der Schweiz, nicht in Großbritannien und nicht in den USA, und in Deutschland in 5,9 Prozent aller Suchergebnisse. Mitte September verschwanden dann die kostenlosen Produkteinträge selbst. Google hat bestätigt, dass dies der Umsetzung des Digital Markets Act dient, und beschreibt die neue Fläche in der eigenen Dokumentation zur Aggregator-Einheit.

Link zur SISTRIX-Quelle für den Wert von 5,9 Prozent ergänzen.


Abb. 4: Veränderung pro Woche, vier Wochen vor Kalenderwoche 38 gegen Kalenderwoche 38 bis 41.

In unseren Daten ist der Einschnitt unübersehbar. Bei den Shops im EWR sanken die Klicks über Händlereinträge um 78,3 Prozent, die Organic-Shopping-Sitzungen in GA4 um 69 Prozent, und zwölf von dreizehn EWR-Shops verloren mehr als die Hälfte ihrer Klicks über Händlereinträge. Dass das nicht an Saison oder Algorithmus liegt, zeigt die Vergleichsgruppe. Die Shops in der Schweiz liegen im selben Zeitraum bei minus 4 Prozent, in GA4 bei minus 2,7 Prozent, und die Product Snippets im EWR legen sogar um 8 Prozent zu. Der Effekt trifft also genau die Darstellung, die an die kostenlosen Produkteinträge gekoppelt ist, und sonst nichts.

Entwicklung über drei Monate und die Lücke zwischen den Werkzeugen

Im Dreimonatsvergleich, also Kalenderwoche 29 bis 41 gegen die dreizehn Wochen davor, legen Product Snippets zu und Händlereinträge verlieren. Weil einzelne große Shops die Summen dominieren, ist hier die Zahl der betroffenen Shops aussagekräftiger als der Durchschnitt. Mehr Klicks über Product Snippets hatten 10 von 16 Shops bei einem Median von plus 10,3 Prozent, mehr Klicks über Händlereinträge nur 3 von 16 bei einem Median von minus 27,4 Prozent. In GA4 hatten 8 von 22 Shops mehr Organic-Shopping-Sitzungen, der Median liegt bei minus 18,6 Prozent.

Dass GA4 dabei deutlich weniger ausweist als die Search Console, ist kein Messfehler, sondern hat zwei Gründe. GA4 ordnet Sitzungen dem Kanal Organic Shopping nur zu, wenn Quelle oder Kampagne zu den Regeln der Standard-Channelgruppe passen, und das trifft nicht auf jeden Besuch zu. Dazu kommt, dass Klicks und Sitzungen unterschiedlich gemessen werden, denn ein Klick ist kein Besuch und mehrere Klicks können in einer Sitzung landen. Nützlich ist GA4 hier für die Entwicklung und für die Conversion, nicht für den absoluten Abgleich.

Was die Vergleichsbox für deinen Shop bedeutet

Google dokumentiert für den EWR zwei neue Ergebnisflächen. Die AggregatorEinheit zeigt Ergebnisse zugelassener vertikaler Suchdienste, bei Produkten also von Preisvergleichsdiensten, und ein Klick führt auf deren Seite statt direkt in deinen Shop. Die Lieferanten-Einheit zeigt Händler und Marken direkt, erscheint aber nur zusammen mit einer Aggregator-Einheit. Laut SISTRIX tauchen in Deutschland 51 verschiedene Anbieter in dieser Box auf, am häufigsten auf Platz eins Google Shopping selbst. Wie das aussieht, zeigt ein Blick in eine Produktsuche. An der Stelle, an der früher das kostenlose Produkt-Karussell stand, steht heute der gesponserte Bereich, und unter jeder Produktkachel steht, über welchen Dienst der Artikel eingeliefert wurde. Dort tauchen Namen wie Smarketer, Channable, shopping24 oder adstrong auf, und nur bei einem Teil der Produkte steht Google selbst. Genau das ist die Konsequenz des CSS-Modells, denn zwischen deinem Shop und der Ergebnisfläche sitzt ein Dienstleister, dessen Konditionen und Reichweite du kennen solltest.


Daraus folgen drei Arbeitsrichtungen. Erstens die Präsenz in der Vergleichsbox, also die Frage, über welchen Preisvergleichsdienst deine Produkte laufen. Zweitens deine eigenen Seiten, die crawlbar und indexierbar bleiben müssen. Drittens die Messung, in der organische Shopping-Kennzahlen, bezahlte Ausspielung und Präsenz auf Preisportalen getrennt gehören, damit ein Rückgang nicht als Kampagnenproblem missverstanden wird. Welche Datenqualität das voraussetzt, beschreibt unser Beitrag dazu, wie du Produktdaten richtig optimierst.

Was als Nächstes kommt

Für den EWR gibt es derzeit keine Ankündigung, dass die kostenlosen Produkteinträge zurückkehren, und auch keine Aussage dazu, dass AI Overviews die Fläche übernehmen. Was sich belegen lässt, ist die Richtung in den beiden Märkten, und die läuft auseinander.

  • In Europa gehört der Platz Preisvergleichsdiensten. Wer dort erscheinen will, meldet sich als Dienst bei Google an, und Händler erreichen die Fläche über ihren CSS-Partner statt direkt.

  • In den USA testet Google seit Mitte September das Gegenteil. Klicks auf kostenlose Produkteinträge führen dort direkt auf die Produktseite des Händlers statt in ein vorgeschaltetes Vergleichsfenster, dazu kommen ein blaues Label für weitere Händleranzeigen und ein zusätzlicher organischer Link über dem Anzeigenblock.

  • Die Entscheidung der EU-Kommission vom 23. Juli ist nicht abgeschlossen, denn Google wurde aufgegeben, die Zuwiderhandlung zu beenden. Weitere Anpassungen der Ergebnisflächen im EWR sind damit möglich, Form und Zeitpunkt sind offen.

  • Für Produktdaten ändert sich durch all das nichts. Dieselben Attribute tragen Händlereinträge, Shopping-Anzeigen, Preisvergleichsdienste und KI-Antworten.

Praktisch heißt das, die eigene Abhängigkeit zu kennen. Wer vor dem September einen zweistelligen Anteil über Händlereinträge hatte, hat jetzt eine Lücke, die über CSS, über bezahlte Ausspielung oder über andere Flächen geschlossen werden muss. Dieselben Produktdaten tragen dabei auch die Sichtbarkeit in KI-Antworten, wie wir im Beitrag dazu beschreiben, wie du in ChatGPT sichtbar wirst, und wie ChatGPT Google Shopping für Produktempfehlungen nutzt.

Was du jetzt tun kannst

  • Leistungsbericht in der Search Console nach Suchdarstellung aufteilen und den Ist-Stand je Darstellung notieren, ausdrücklich im Vergleich der Wochen vor und nach Kalenderwoche 38.

  • Markup prüfen, also ob Produktdetailseiten mit Kaufmöglichkeit wirklich als Händlereintrag ausgezeichnet sind und ob Preis, Verfügbarkeit, Versand und Rückgabe vollständig drinstehen.

  • Klären, über welchen Preisvergleichsdienst deine kostenlosen Einträge laufen und welche Portale in deinen Kategorien überhaupt in der Box erscheinen.

  • Den eigenen Anteil über drei Monate beobachten statt über eine Woche, weil die Wochenwerte stark schwanken.

  • Organische Shopping-Kennzahlen, bezahlte Ausspielung und Preisportale getrennt berichten, damit ein Rückgang richtig zugeordnet wird.

  • Im Merchant Center kontrollieren, ob Artikel wegen Richtlinienverstößen aus den kostenlosen Einträgen fallen.

Wenn du wissen willst, ob deine Produktdaten und deine Auszeichnung für diese Flächen überhaupt bereit sind, machen wir dazu eine Bestandsaufnahme. Hier geht es zum Erstkontakt.