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Agentic Commerce: ACP und UCP im digitalen Handel

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Agentic Commerce: Wie ACP und UCP den digitalen Handel neu organisieren

 

Digitale Assistenten beantworten längst nicht mehr nur Fragen. Sie vergleichen Produkte, analysieren Angebote, prüfen Verfügbarkeiten – und übernehmen zunehmend auch den eigentlichen Kaufprozess. Dieses neue Paradigma wird als Agentic Commerce bezeichnet: KI-Agents handeln im Auftrag von Nutzern selbstständig im Commerce-Ökosystem.


Während klassische E-Commerce-Systeme für menschliche Nutzeroberflächen gebaut wurden – Websites, Apps, Checkouts – entsteht nun eine neue Ebene: standardisierte Schnittstellen, über die KI-Agents direkt mit Shops und Commerce-Systemen interagieren können. Genau hier setzen zwei neue Protokolle an, die aktuell von den wichtigsten Technologieanbietern vorangetrieben werden:


ACP (Agentic Commerce Protocol) von OpenAI und UCP (Universal Commerce Protocol) von Google.
Beide verfolgen dasselbe Ziel: E-Commerce maschinenlesbar, standardisiert und agententauglich zu machen.

 

 

Inhalt: 

01 - Was Agentic Commerce im Kern bedeutet

02 - ACP – Das Agentic Commerce Protocol von OpenAI

03 - UCP – Googles Universal Commerce Protocol

04 - Warum ACP und UCP strukturell so ähnlich sind

05 - Was das für Onlinehändler konkret bedeutet

06 - Direkter Vergleich: ACP vs. UCP

07 - Fazit 


 

 

 

Was Agentic Commerce im Kern bedeutet

 

Im klassischen Onlinehandel navigiert der Mensch durch Shop-Oberflächen, filtert Produkte, legt sie in den Warenkorb und führt den Checkout aus. Agentic Commerce verschiebt diese Logik: Der Nutzer formuliert nur noch sein Ziel – der Agent erledigt den Rest.


Der KI-Agent sucht passende Produkte, bewertet Preis-Leistung, berücksichtigt Lieferzeiten, Verfügbarkeit oder Präferenzen – und stößt anschließend automatisiert den Kauf an. Der eigentliche Shop bleibt weiterhin die Infrastruktur für Produktdaten, Lagerbestand, Preise und Zahlungsabwicklung. Aber die Oberfläche wird zunehmend austauschbar.


Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, braucht es einheitliche technische Standards – genau hier kommen ACP und UCP ins Spiel.

 

 

ACP – Das Agentic Commerce Protocol von OpenAI

OpenAI hat mit dem Agentic Commerce Protocol (ACP) einen offenen Standard vorgestellt, der definiert, wie KI-Agents mit Commerce-Systemen kommunizieren und Kaufaktionen ausführen können.


ACP beschreibt, wie Produktdaten strukturiert bereitgestellt werden, wie Warenkörbe aufgebaut werden, wie Preis- und Verfügbarkeitsabfragen funktionieren und wie Checkouts sicher ausgelöst werden. Ziel ist eine einheitliche Sprache zwischen AI-Agents und Händlersystemen.


OpenAI verfolgt dabei einen offenen, protokollbasierten Ansatz. Händler oder Plattformanbieter können ACP implementieren, sodass ChatGPT oder andere AI-Agents direkt auf Sortiment, Warenkorb und Checkout zugreifen können.


Erste Referenzimplementierungen – unter anderem auch für Shopware – zeigen bereits, dass agentengesteuerte Checkouts technisch heute schon möglich sind.

 

 

End-to-end flow diagram (Quelle: developers.openai.com) 

 


 

 

UCP – Googles Universal Commerce Protocol

 

Google hat mit dem Universal Commerce Protocol (UCP) einen sehr ähnlichen Ansatz vorgestellt – allerdings aus Sicht des weltweit größten Such- und Discovery-Ökosystems.


UCP definiert, wie Google Search, Google Shopping, Gemini oder KI-gestützte Suchoberflächen standardisiert mit Commerce-Backends kommunizieren. Produktdaten, Warenkörbe, Checkouts und Bestellprozesse werden über eine gemeinsame Schnittstellensprache orchestriert.


Der entscheidende Punkt: UCP ist keine neue Shopping-Funktion, sondern eine infrastrukturelle Grundlage. Es entkoppelt den Kaufprozess von der Oberfläche. Der Shop wird damit weniger Zielort – sondern Teil eines größeren Commerce-Netzwerks.

 

 

Universal Commerce Protocol (Quelle: developers.google.com)

 

 

 

Warum ACP und UCP strukturell so ähnlich sind

Beide Protokolle lösen dasselbe Grundproblem:
E-Commerce-Systeme müssen maschinenlesbar, standardisiert und zuverlässig ansprechbar werden, damit KI-Agents Transaktionen ausführen können.


Die Unterschiede liegen vor allem im Ökosystem:

  • OpenAI fokussiert auf agentengesteuerte Assistenten wie ChatGPT, die im Auftrag des Nutzers handeln.
  • Google integriert UCP direkt in Search-, Shopping- und Discovery-Systeme.

 

Technisch schließen sich beide Standards nicht aus. Händler können beide Protokolle parallel unterstützen, ähnlich wie heute verschiedene Payment- oder API-Standards.

 

 

 

 

 

Was das für Onlinehändler konkret bedeutet

Mit Agentic Commerce verschiebt sich der Wettbewerb im E-Commerce.
Nicht mehr allein Design, UX oder Performance-Marketing entscheiden über Sichtbarkeit – sondern Datenqualität, Systemzugänglichkeit und operative Zuverlässigkeit.


KI-Agents benötigen strukturierte, vollständige und aktuelle Informationen. Nur Händler, deren Systeme Produkte, Preise, Verfügbarkeiten, Lieferzeiten und Varianten standardisiert und maschinenlesbar bereitstellen, werden in agentischen Kaufprozessen berücksichtigt.


Der Shop verschwindet nicht – aber seine Rolle verändert sich. Er wird:

  • Datenquelle
  • Bestell- und Fulfillment-System
  • Markenerlebnis für bewusst aufgesuchte Momente

 

Die klassische Conversion-Optimierung verliert dort an Bedeutung, wo gar kein Mensch mehr durch den Checkout klickt. Stattdessen entstehen neue Erfolgsfaktoren: Datenexzellenz, Prozessstabilität, Lieferperformance und API-Zugänglichkeit.

Der wichtigste Schritt ist nicht die sofortige Implementierung eines Protokolls – sondern der Aufbau der technischen Voraussetzungen:

  • Vollständige und strukturierte Produktdaten
  • Zuverlässige Echtzeit-Verfügbarkeiten
  • Stabile Preislogik
  • API-fähige Warenkorb- und Checkout-Prozesse
  • Saubere Consent- und Sicherheitsmechanismen

 

Wer diese Grundlagen beherrscht, kann relativ leicht an ACP- oder UCP-Schnittstellen andocken, sobald sie breit verfügbar sind.

 



Direkter Vergleich: ACP vs. UCP

ACP (OpenAI)

  • Fokus auf KI-Agents, die aktiv im Auftrag des Nutzers einkaufen
  • Offene Community-getriebene Protokollentwicklung
  • Integration in ChatGPT und andere Agentensysteme

 

UCP (Google)

  • Fokus auf Search-, Shopping- und Discovery-Plattformen
  • Direkte Anbindung an Googles Ökosystem
  • Starker Einfluss auf Produktdatenstandards und Feed-Architekturen

 

Für Händler entsteht daraus eine klare Realität:
Agentic Commerce wird nicht von einer Plattform allein kontrolliert, sondern über offene Standards orchestriert.


 

Darstellung ACP vs. UCP

UCP vs. ACP (Quelle: eigene Darstellung)

 

 

Fazit – Agentic Commerce ist ein Architekturwandel

ACP und UCP sind mehr als technische Schnittstellen.
Sie markieren den Übergang von oberflächengetriebenem E-Commerce zu protokollbasiertem Handel.

 

Der Kaufakt wird zunehmend vom Interface entkoppelt. KI-Agents übernehmen Recherche, Auswahl und Transaktion. Sichtbarkeit entsteht dadurch nicht mehr nur in Shops oder Kampagnen, sondern in maschinenlesbaren Commerce-Ökosystemen.

 

Für Händler bedeutet das keinen Untergang des Online-Shops – sondern eine Neupositionierung seiner Rolle.
Der Shop bleibt Markenraum, Content-Plattform und Erlebnisfläche. Gleichzeitig wird er Backend für agentische Kaufprozesse.

 

Unternehmen, die früh beginnen, ihre Commerce-Architektur datengetrieben, API-fähig und standardisiert aufzubauen, schaffen sich heute die Eintrittskarte für den kommenden agentischen Handel. Wer diese Entwicklung ignoriert, riskiert künftig in automatisierten Kaufprozessen schlicht nicht mehr berücksichtigt zu werden.

 

Agentic Commerce ist kein kurzfristiger Hype.

Es ist der nächste Evolutionsschritt der digitalen Handelsinfrastruktur.

 

 


 

 

 

 

 


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