ChatGPT nutzt Google Shopping für Produktempfehlungen und der Weg zum Checkout im Chat wird kürzer
ChatGPT entwickelt sich immer stärker zu einem Ort, an dem Produktsuche beginnt. Nutzer fragen längst nicht mehr nur nach allgemeinen Informationen, sondern nach ganz konkreten Empfehlungen. Welche Kopfhörer sind die besten unter 100 Euro? Welche Kaffeemaschine passt für einen kleinen Haushalt?
Was dabei lange unklar blieb: Woher kommen eigentlich die Produkte, die ChatGPT in seinen Carousels anzeigt?
Neue Analysen und erste Experimente legen nahe, dass ChatGPT für Shopping-Empfehlungen nicht nur das offene Web durchsucht, sondern gezielt auf Google Shopping Ergebnisse zurückgreift.
Parallel dazu arbeitet OpenAI offenbar schon an der nächsten Stufe. Warenkorb-Funktionen und Merchant Tools könnten den Kauf direkt im Chat ermöglichen. Damit wird aus einer Produktempfehlung Schritt für Schritt ein echter Commerce-Flow.
Inhalt:
01 - Was bei Produktempfehlungen in ChatGPT im Hintergrund passiert
02 - Warum nutzt ChatGPT ausgerechnet Google Shopping?
03 - Was bedeutet das Google Shopping Scraping für Händler und Marken?
04 - Der nächste Schritt: Warenkorb und Merchant Tools direkt in ChatGPT
05 - Merchant Submission: Direkter Zugang für Händler über den Produktfeed
06 - Details zur Veröffentlichung und operativer Umsetzung sind ungeklärt
Was bei Produktempfehlungen in ChatGPT im Hintergrund passiert
Viele Unternehmen gingen bisher davon aus, dass ChatGPT Produktempfehlungen ähnlich generiert wie normale Antworten. Also über eine Mischung aus Websuche, Kontext und Trainingswissen.
Doch aktuelle Untersuchungen zeigen ein etwas anderes Bild.
Forscher wie Oliver de Segonzac, Alexis Rylko und Tom Wells haben Hinweise darauf gefunden, dass ChatGPT bei Antworten mit Produktkarussells gezielt sogenannte Shopping Fan-Out Queries erzeugt. Diese laufen offenbar direkt über Google Shopping.
Das bedeutet: ChatGPT baut seine Produktauswahl nicht nur auf allgemeinen Suchergebnissen auf, sondern nutzt eine zweite, spezialisierte Ebene. Die erklärende Antwort entsteht aus Kontextsuche, während die Produktauswahl stark auf Google Shopping basiert.
Die Konsequenz ist ziemlich klar. Wer in Google Shopping nicht sichtbar ist, wird auch in ChatGPT deutlich seltener empfohlen.
Warum nutzt ChatGPT ausgerechnet Google Shopping?
Die Antwort ist vor allem pragmatisch. Google Shopping ist eines der vollständigsten Commerce-Ökosysteme der Welt.
Es liefert nicht nur Produktlisten, sondern auch aktuelle Preise, Verfügbarkeiten, Händlerdaten, Reviews und strukturierte Attribute.
Für ChatGPT ist das ein riesiger Vorteil, weil Produktempfehlungen nur dann wirklich funktionieren, wenn sie aktuell und korrekt sind. Gerade bei dynamischen Preisen rund um Black Friday oder Sale-Events ist Live-Datenqualität entscheidend.
OpenAI arbeitet zwar auch an eigenen Shopping-Integrationen, zum Beispiel mit Etsy, aber Googles Datenbasis ist aktuell kaum zu ersetzen.
Was bedeutet das Google Shopping Scraping für Händler und Marken?
Die wichtigste Erkenntnis lautet: AI Shopping Optimierung beginnt nicht in ChatGPT, sondern in Google Shopping.
Wer dort schlecht rankt oder unvollständige Produktdaten liefert, hat geringe Chancen, überhaupt in ChatGPTs Empfehlungen aufzutauchen.
Für Unternehmen heißt das ganz konkret, dass die Bedeutung von Produktfeeds über den bisherigen Nutzen hinauswächst. Es geht nicht nur um Webseiten, sondern vor allem um strukturierte Commerce-Daten. Korrekte Titles, aktuelle Preise, saubere GTINs, hochwertige Bilder und stabile Verfügbarkeit machen den Unterschied.
Auch das Google Merchant Center wird dadurch noch wichtiger. Es ist längst nicht mehr nur für Google Ads relevant, sondern zunehmend auch eine indirekte Quelle für AI-basierte Produktempfehlungen.
Der nächste Schritt: Warenkorb und Merchant Tools direkt in ChatGPT
Während ChatGPT im deutschen Markt aktuell vor allem Empfehlungen anzeigt, zeigen die Entwicklungen im US Markt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis man die Plattform nicht mehr verlassen muss, um zu shoppen. Dort ist durch die direkte Anbindungen von Walmart, Shopify und Etsy ein Instant Checkout bereits auf der ChatGPT-Oberfläche möglich.
Jetzt sollen neue Funktionen das Shopping Erlebnis bereichern und die zahlreichen Produktempfehlungen strukurieren. Dazu gehören ein eigener Warenkorb-Bereich, gespeicherte Produkte aus Gesprächen, die Auswahl von Lieferadresse und Zahlungsart.
Das erinnert stark an Microsoft Copilot Shopping und zeigt ziemlich deutlich, wohin die Reise geht. ChatGPT soll nicht nur beraten, sondern ihre User direkt zum Abschluss bewegen.

Menüpunkt “Cart” im ChatGPT Interface (Quelle: testingcatalog.com)
Merchant Submission: Direkter Zugang für Händler über den Produktfeed
Damit die Unabhängigkeit von Google zunehmend gewährleistet werden kann, arbeitet OpenAi gerade daran, eine Anbindung des Produktfeeds zu ermöglichen. Damit wird Merchants eine direkte Integration aller relevanter Produkte ermöglicht. Ein Mechanismus, der bereits ausreichend Einsatz in bekannten anderen Plattformen hat und somit keinen zusätzlichen Aufwand mit sich bringt.
Details zur Veröffentlichung und operativer Umsetzung sind ungeklärt
Die geplanten Features sind eine spannende Ergänzung der Plattform und notwendige Vorbereitungen, um den Usern zukünftig ein Shopping Erlebnis zu ermöglichen. Es ist damit zu rechnen, dass die Features vorerst im US Markt getestet werden, bevor sie weiter ausgerollt werden.
Entsprechend ist es auf Basis der aktuellen Informationen nicht abzuschätzen, wann der deutsche Markt involviert wird. Darüber hinaus sind keine operativen oder monetären Details bekannt. Jedoch wird klar ersichtlich, dass ChatGPT in absehbarer Zukunft zu einer inspirierenden Shopping Destination wird.
Fazit: ChatGPT wird zur neuen Shopping-Schnittstelle
Was gerade entsteht, ist mehr als nur ein neues Feature für Produktempfehlungen. ChatGPT entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer echten Commerce-Schnittstelle, in der Suche, Beratung und Kauf immer näher zusammenrücken.
Dass Google Shopping dabei aktuell eine zentrale Rolle spielt, zeigt vor allem eins: Wer in dieser neuen Welt sichtbar sein will, muss viel früher ansetzen, nämlich bei Produktdaten, Feeds und Merchant-Strukturen. Die Optimierung endet nicht mehr auf der Website, sie beginnt in den Daten.
Und wenn OpenAI tatsächlich Warenkorb und Checkout direkt in den Chat bringt, verändert sich das Spiel noch einmal komplett. Dann geht es nicht mehr nur darum, gefunden zu werden, sondern darum, direkt im Moment der Empfehlung kaufbar zu sein.
Für Händler und Marken heißt das: Jetzt ist der Zeitpunkt, sich mit AI Shopping ernsthaft auseinanderzusetzen. Denn die Produktsuche der nächsten Jahre wird nicht nur in Suchmaschinen stattfinden, sondern mitten im Gespräch.